Impulse für Kinder- und Jugendbeteiligung

Das kürzlich in Kraft getretene Kinder-und Jugendgesetz enthält zum Thema Beteiligung wesentliche Veränderungen, welche von Jugendlichen mitentwickelt wurden.

Junge Menschen haben das Recht,  ihre Rechte mitzugestalten

Im landesweiten Beteiligungsprozess „Jugendbeteiligung voran bringen!“ wurden die Ausweitung von Mitgestaltungsmöglichkeiten in Gemeinden und Schulen, die Bereitstellung von finanziellen Mitteln für Beteiligung und Projektumsetzung sowie vielfältige, gestaltbare Räume für junge Menschen gefordert. Das wesentliche Anliegen der Mitwirkenden war, ernst genommen zu werden. Dahinter steht das Bedürfnis nach Unterstützung in der Umsetzung von Ideen und Ergebnissen. Sowohl im Gesetz als auch in den Erläuterungen finden sich die Vorschläge der Jugendlichen wieder.

Kinder- und Jugendbeteiligung  gefordert und gefördert

Die Förderung von Kinder- und Jugendbeteiligung wurde gesetzlich verankert. Darüber hinaus wurden Landesförderungen für Kinder- und Jugendprojekte an die Mitgestaltung durch junge Menschen gebunden. Gemeinden sollen junge Menschen sowohl punktuell (z. B. bei Platzgestaltungen) als auch kontinuierlich (z. B. Kinder- und Jugendparlamente) in die Gemeindeentwicklung einbeziehen. Entsprechende Rechte und Pflichten können von Gemeinden – sinnvollerweise mit Kindern bzw. Jugendlichen – definiert werden.

Ernst nehmen!

Jugendliche und deren Meinungen wurden bei der Überarbeitung des Kinder- und Jugendgesetz ernst genommen und die Anliegen weitgehend berücksichtigt. Um die Impulse wirksam zu machen, gilt es, das „Ernst nehmen“ weiterzuführen. Für Beteiligung in Gemeinden gibt es viele Erfahrungen, Orientierungsbei-spiele, Methoden und Modelle aber keine Patentlösung. Jede Gemeinde findet individuelle Zugänge. Um die Entwicklung von Strategien und Maßnahmen sowie deren qualitätsvolle Umsetzung zu unterstützen, bestehen Angebote des Landes Vorarlberg und die wertvolle Expertise von Beteiligungsfachleuten.

Mitmachen und mitgestalten ist gefragt! Damit Gemeinden langfristig lebendig bleiben, müssen junge Menschen als aktive MitgestalterInnen gewonnen werden. Foto: shutterstock

 

Kinder und Jugendliche als MitgestalterInnen lebendiger Gemeinden

Gemeinden langfristig lebendig zu halten, heißt, junge Menschen als aktive MitgestalterInnen zu gewinnen. Dadurch werden wertvolle Sozialkompetenzen erarbeitet, Selbstwirksamkeit gestärkt und die Verbundenheit zur Gemeinde erhöht. Langfristiges Engagement für das Gemeinwesen wirkt positiv auf die Lebensqualität und schafft eine Verbindung zwischen Jugend und Politik. Die jeweilige Ausgangslage und die konkrete Zielsetzung in Gemeinden sind unterschiedlich.

Der Wunsch nach einer langfristig lebenswerten Gemeinde ist ein wertvoller gemeinsamer Orientierungspunkt.

Stolpersteine und Qualitätskriterien

Natürlich kann die Einbindung junger Menschen auch scheitern. Erwachsene sind mitunter besorgt, dass Beteiligung als Wunschkonzert mit unerfüllbaren Forderungen und Frustration endet. Wird jedoch der Rahmen der Mitbestimmung und die Dimension an möglichen Umsetzungsmaßnahmen klar definiert, ist diese Gefahr gebannt. Junge Menschen sind enttäuscht, wenn ihr Engagement nichts bewirkt. Werden die Vorschläge ernst genommen? Wird die Verwirklichung der Ideen unterstützt?

Ein Eckpfeiler der Kinder- und Jugendbeteiligung ist Verbindlichkeit.

Ist diese klar geregelt und idealerweise bereits vorab – per Gemeindebeschluss – mit einem Umsetzungsbudget ausgestattet, ist auch dieser Stolperstein aus dem Weg geräumt. Kinder und Jugendliche wollen die Umsetzung aktiv miterleben und wertgeschätzt werden. Bei öffentlicher Kommunikation ist es ratsam, die jungen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Stellen sich Erwachsene zu zentral ins Rampenlicht, entsteht mitunter das Gefühl „vor den Karren gespannt zu werden“. Die Qualitätskriterien für Kinder- und Jugendbeteiligung der ARGE Partizipation bieten einen guten Überblick, worauf es zu achten gilt. Um die Beteiligung von jungen Menschen gut gelingen zu lassen und Know-how aufzubauen, ist die Unterstützung durch erfahrene ProzessbegleiterInnen hilfreich. Die Kosten dafür können mit Unterstützung des Landes Vorarlberg getragen werden.
Weitere Informationen über Förderungen gibt’s auf der Website des Landes Vorarlberg.

In Vorarlberg passiert bereits einiges in Sachen Jugendbeteiligung. Viele Gemeinden erkennen das Potenzial aktiver Partizipation. Foto: shutterstock

Von der Theorie zur Praxis

Vielerorts werden Kinder und Jugendliche bereits in die Gestaltung der Gemeinde oder Region eingebunden. Hier einige Beispiele:

  • Jugendforum Montafon: Das Jugendforum Montafon ist das erste regionale Jugendparlament in Vorarlberg und setzt sich für die Interessen und Rechte von jungen Menschen im Montafon ein. Mit der Einrichtung des Jugendforums wurde eine konkrete Form der Mitbestimmung geschaffen, durch welche Jugendliche kommunale Belange im Stand Montafon aktiv mitgestalten können.
  • Jugendrat Sulzberg: Was ist eine gute Zukunft? Was brauchen wir für ein gutes Leben in Sulzberg? Jugendliche erarbeiten Ideen und Projekte, diskutieren die Ergebnisse in einem Bürgercafé und mit der Gemeindepolitik. Gemeinsam wird an der Umsetzung gearbeitet. Seit 2010 fand alle drei Jahre ein Jugendrat in Sulzberg statt.
  • Kindersprechstunde Dornbirn: Wöchentlich findet im Rathaus eine Sprechstunde für Kinder statt. Die Kinder bringen ihre Vorschläge zur Verbesserung ihrer Lebenswelt ein. Ein Team bespricht im Anschluss die Anliegen. Nach Möglichkeit werden diese sehr rasch umgesetzt.
  • Kinderbeteiligung Bregenz: Im Rahmen verschiedener Projekte werden Kinder beteiligt. So zum Beispiel beim Kindercafé, bei welchem Kinder als GastgeberInnen oder in der Spielleitung Verantwortung übernehmen. Als KinderreporterInnen erkunden sie ihr Stadtviertel und veröffentlichen ihre Artikel in Stadtzeitungen. In Schulprojekten gestalten sie ihre Schule mit.

 

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