Junior-Erzählcafé – Was ist das?

An die eigene Geburt können wir uns nicht bewusst erinnern und für junge Menschen ist die Geburt ihrer Kinder meist noch in weiter Ferne – warum also sich mit diesem Thema auseinandersetzen?

Im Rahmen der Erzählcafé Veranstaltungen „Start ins Leben“ veranstaltet die IG-Geburtskultur A-Z zum ersten Mal ein Erzählcafé für Jugendliche. Eine frühe Auseinandersetzung mit dem Thema ist sehr wichtig, weshalb wir uns besonders auf das Junior-Erzählcafé am 7. Dezember im ProKonTra in Hohenems freuen. Wir haben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen eingeladen, die von ihren Geburtserfahrungen erzählen werden, sowie einen Geburtsmediziner und eine Hebamme, die eure Fragen beantworten. Zur Vorbereitung könntet ihr euch die Frage stellen: „Was weiß ich denn über meinen Lebensanfang und meine Geburt?“. Gerne dürft ihr euch aber auch generell Fragen zum Thema überlegen.

©Aktionsbanner Erzählcafe-Aktion 2018

Mit den folgenden Zeilen möchte ich euch einen Einblick ins Thema geben und hoffe damit, euer Interesse zu wecken.

Wir Menschen sind von Anfang an, das heißt, von der Zeugung an voll bewusst wahrnehmende Wesen. An die Erfahrungen dieser frühen Lebenszeit können wir uns nicht erinnern, sie sind aber in unserem Körpergedächtnis gespeichert, weil auch Zellen eine Erinnerungsfähigkeit haben. Die Erfahrungen, die wir in dieser Zeit machen, sind ganz wesentlich für unsere körperliche und psychische Gesundheit verantwortlich. Da wir ja die ersten 9 Monate im Körper unserer Mutter verbringen, ist das, was wir erleben natürlich unmittelbar mit dem verknüpft, was sie erlebt, wie es ihr gesundheitlich geht, wie sie sich fühlt, wie die Beziehung der Eltern zueinander ist, ob sie raucht, Alkohol trinkt oder andere Drogen nimmt. Dabei wurde festgestellt, dass nicht nur Substanzen wie z.B. Alkohol durch die Nabelschnur zum Baby gelangen, sondern auch Informationsmoleküle bzw. Moleküle der Gefühle. Wenn die Mama Angst hat, dann kommt diese Information zum Baby. Natürlich beeinflusst uns auch die Situation unseres Vaters, nur nicht so unmittelbar. Was uns von beiden Seiten her beeinflusst ist das, was die Eltern in ihrem Leben erfahren haben. Denn: was wir Menschen am Anfang unseres Lebens neben Nahrung und Kleidung mehr als alles andere brauchen, ist Liebe, die unsere Seele stärkt und uns Geborgenheit vermittelt und eine geschützte Welt, in der wir uns entfalten können. Die Liebe der Eltern bildet das Fundament für unser Leben. Das ist vergleichbar mit dem Fundament eines Hauses. Wenn dieses Fundament stabil ist und auf festem Untergrund steht, dann können heftige Stürme dem Haus nichts anhaben. Analog dazu können auch wir Menschen Herausforderungen des Lebens besser bewältigen, wenn wir eine stabile, tragende Basis haben. Durch diese Sicherheit können wir anderen Menschen auf der ganzen Welt offen und wertschätzend begegnen. Erleben wir das Ankommen in dieser Welt als unsicher, ist unser Fundament instabil und wir fühlen uns fremd.

Die Geburt selbst ist ein ganz wichtiger Übergang, von der Welt im Bauch unserer Mutter in die Welt außerhalb ihres Körpers. Bei einer natürlichen Geburt arbeitet das Kind mit der Mutter gut zusammen. Es gibt den Impuls, dass es bereit ist, auf die Welt zu kommen. Ihr Körper antwortet und unterstützt das Baby auf seinem Weg. Eine Geburt ist etwas sehr Kraftvolles und auch Überwältigendes. Es ist mit keiner anderen Erfahrung vergleichbar. Die Geburt ist eine Initiation ins Leben, die Organe des Babys bekommen dabei den Impuls ihre Aufgabe selbständig zu übernehmen. Mutter und Baby kommen in ihre Kraft. Die Natur hat diesen Prozess besonders klug und sicher gestaltet.

Leider ist heutzutage Schwangerschaft und Geburt von viel Angst begleitet. Wir Menschen neigen dazu, mehr über jene Dinge zu reden, die nicht gut laufen als das zu erzählen, was gut war. So ist das auch mit der Geburt. Dazu kommen oft jene Bilder und Situationen, die wir aus Filmen kennen und die haben meist nicht das geringste mit einer realen Geburt zu tun. Sie bleiben aber in den Köpfen. Wir Menschen gestalten unsere Realität durch innere Bilder und unsere Vorstellungen. Immer wieder höre ich in meiner Praxis von Frauen, die zu mir kommen, wenn sie schwierige Geburtserfahrungen gemacht haben: „Ich dachte, das hätte so oder so sein sollen.“ Die Geburt aber ist ein individueller Prozess, auf den sich eine Frau einlassen können sollte. Das Einlassen auf die Geburt ist oft gar nicht so einfach, denn wir können sie nicht mit dem Verstand steuern, sie hat ihren eigenen Rhythmus und es braucht Vertrauen in den Körper. Noch weit ins letzte Jahrhundert hinein war es üblich, dass Kinder zu Hause oder in Entbindungsheimen zur Welt gekommen sind. Die Geburt war ein Familienereignis und fand eben auch noch zu Hause in den Familien statt. Dabei wurden Frauen von erfahrenen Hebammen begleitet. Mütter und Großmütter haben ihr Wissen und ihre Erfahrung an die nächste Generation weitergegeben. Kinder waren ganz natürlich bei der Geburt von Geschwistern dabei. Nach dem 2. Weltkrieg fanden Geburten mehr und mehr in den Krankenhäusern statt. Immer mehr Entbindungsheime wurden geschlossen. Heute sind es 98% der Kinder, die im Krankenhaus auf die Welt kommen. Als meine Tochter 18 Jahre alt war, hat sie im Biologieunterricht erzählt, dass ihre Schwester zu Hause auf die Welt gekommen ist, was großes Entsetzen unter ihren Mitschülerinnen und Mitschülern auslöste. Sie haben gesagt: „Ja ist denn das überhaupt möglich und das viele Blut und …“

Von meinem Sohn, der inzwischen 27 Jahre alt ist, weiß ich, dass manche junge Frauen aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis eher von vorneherein einen Kaiserschnitt in Erwägung ziehen. Es ist aus meiner Sicht dringend notwendig, dass wir wieder viel mehr über Schwangerschaft und Geburt reden und junge Menschen ein reales Bild von diesen Ereignissen bekommen.

Ihr werdet die Eltern der Kinder sein, die morgen geboren werden. Deshalb ist es so wichtig, dass ihr heute schon wisst, was diese frühe Lebensphase für eine enorme Bedeutung für unser Leben hat. Ihr könnt die Bedingungen des Ankommens eurer Kinder gestalten und ihnen einen guten Start ins Leben ermöglichen. Interessant ist das Wissen auch für das Verständnis der eigenen Persönlichkeit und deren Entwicklung.

Fotocredit: Melanie Büchel

 

Wir freuen uns auf euch und euer Interesse. Nähere Infos zu uns und diesem Herzensprojekt findet ihr HIER.

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