Mediative Techniken im Einzelgespräch

Ob im Freundeskreis, der Familie oder im Arbeitsleben – wer kennt das nicht: Jemand berichtet von einem Streit oder von Zwistigkeiten, fühlt sich provoziert, ungerecht behandelt und überhaupt mit seinen eigenen Ansichten im Recht, regt sich furchtbar über eine, meist nicht anwesende, Person auf und „lässt so richtig Dampf ab“…

Oft reagieren wir in solchen Gesprächen mit Zustimmung und Verständnis für unseren Gesprächspartner und positionieren uns bewusst oder unbewusst auf Seiten des Erzählenden. Die Position oder die Sichtweise der anderen beteiligten Person(en)  ist/sind uns meist nicht bekannt. Beim Gesprächspartner lösen wir dadurch vielleicht noch mehr Wut und Aggression gegenüber seinem Konfliktpartner/seiner Konfliktpartnerin aus… Die Situation hat sich dadurch für niemanden verbessert.

In den oben geschilderten Situationen versuche ich mit mediativem Handeln unterstützend zu wirken. Gerade wenn man selbst nicht in den Konflikt involviert ist, kann eine neutrale und zukunftsgerichtete Vorgehensweise hilfreich und entlastend sein. Es kann helfen den Blick aus dem Vergangenen  wieder in die Zukunft zu richten und dort nach Lösungen zu suchen und eine neue Dynamik in die Situation bringen.

Vorweg eine kurze Erklärung zum Begriff/Verfahren der Mediation:

Mediation ist eine außergerichtliche Form der Konfliktlösung, bei der eine neutrale Vermittlungsperson (Mediator/Mediatorin) die Konfliktparteien bei der Entwicklung einer zukunftsgerichteten Lösung unterstützt. Die Mediation läuft in verschiedenen Phasen ab und einige Phasen oder Methoden können auch im Einzelgespräch erfolgreich eingesetzt werden.

 

Foto: Nik Macmillan, Unsplash

 

Anwendungsmöglichkeiten mediativer Elemente im Einzelgespräch                              

Für mich hat sich für derartige Gespräche folgende Vorgehensweise bewährt:

  • Loopen – die Schleife des Verstehens/aktives Zuhören

Wahrscheinlich tut es jedem gut über Konfliktsituationen zu sprechen und jemandem von seinem  Ärger oder Frust zu erzählen.

Zuhören heißt zunächst: genau hinzuhören und auch zu verstehen, welche emotionalen und konflikthaltigen Themen  angesprochen werden, bzw. hinter den offensichtlichen Äußerungen, zwischen den Zeilen, zu hören sind. Beim Loopen/aktiven Zuhören geht es darum, das Gehörte in eigenen Worten wieder zu geben/zusammenzufassen und sich beim Erzählenden zu vergewissern, diesen auch richtig verstanden zu haben.

Ich höre also meinem Gegenüber aufmerksam zu und gebe in meinen eigenen Worten wieder, was ich von ihr/ihm gehört oder nonverbal aufgenommen habe. Ich vergewissere mich, dass ich sie/ihn wirklich richtig verstanden habe.

Loopen im Einzelgespräch kann den Erzählenden entlasten, indem es den Gesprächsprozess durch das Wiederholen in eigenen Worten insgesamt verlangsamt,  es deeskaliert und holt den Erzählenden (zumindest in Ansätzen) aus der negativen Emotion und beruhigt.

  • Wesentliche Themen definieren

In einem weiteren Schritt fasse ich das Gehörte in die wesentlichen Konfliktthemen zusammen. Dort ist es besonders hilfreich, kurze und neutrale Begriffe vorzuschlagen.

Bsp: „Wenn ich dich richtig verstanden habe, geht es dir im Wesentlichen um die folgenden Themen:  Umgang miteinander, Kommunikation, Freizeitgestaltung,…“

Auch das Vorschlagen von neutralen Konfliktthemen wirkt, meiner Erfahrung nach, deeskalierend und versachlicht die Situation.

  • Fragen nach Interessen und Bedürfnissen

Anhand der Themensammlung können in weiterer Folge die Interessen und Bedürfnisse der betroffenen Person geklärt oder erarbeitet werden. Interessen oder Bedürfnisse der nicht anwesenden Person/Personen spreche ich im Einzelgespräch nicht an, da es für ein hineinfühlen in die Position der nichtanwesenden Person vermutlich (noch) kaum Raum gibt.

Als Einstieg in die Erarbeitung der Interessen und Bedürfnisse empfiehlt sich die Frage:

„Was ist dir wichtig beim Thema XXX (Bsp. Kommunikation)?“ Damit man auch tief in die Bedürfnisebene vordringen kann, empfiehlt es sich nachzufragen: „Und warum/wieso  ist dir das wichtig?“

Auch hier fasse ich das Gehörte in eigenen Worten zusammen, formuliere negative Aussagen in positive um und frage nach, ob ich alles richtig verstanden habe. Auch zeige ich Verständnis für die Bedürfnisse des Erzählenden.

  • Suche nach Lösungen – Möglichkeiten für die Zukunft

In einem weiteren Schritt erkundige ich mich nach Ideen, die zur Lösung des Konfliktes beitragen könnten.

Beispielfragen: „Wie könntest du dir vorstellen in Zukunft mit dem Thema umzugehen? Was meinst du könnte helfen den Konflikt zu lösen? Wie würde es aussehen, wenn ihr nicht mehr streiten müsstet? Was wäre passiert/hätte geholfen, dass sich die Situation verbessert hätte? Wie kannst du das Thema ansprechen, damit der andere das Gesagte annehmen kann?“

Die Frage nach Lösungsmöglichkeiten bietet die Möglichkeit der Gestaltung der Zukunft, das Verharren im negativ-Vergangenen kann aufgebrochen werden.

  • Angebot eines vermittelnden Gespräches

In manchen Fällen erschien es mir passend, Unterstützung für ein vermittelndes Gespräch zwischen den Beteiligten anzubieten. Oft war es aber so, dass die betroffene Person, das Gespräch selbst führen wollte und im „Notfall“ auf mein Angebot zurückkommen wollte. Vielfach war eine Unterstützung im Gespräch dann nicht mehr nötig. Den Betroffenen war es gelungen, die Themen neutral zu formulieren, Bedürfnisse vorwurfsfrei zu artikulieren und auch schon zukunftsgerichtete Lösungen vorzuschlagen oder einfach für sich zu entscheiden, den Konfliktthemen nicht mehr den vormals vorhanden großen Raum zu bieten.

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