Neue Wege in der Vereinsarbeit

So macht man sich junge FreundInnen im Verein!  

Viele Angebote der Jugendarbeit organisieren sich über die Rechtsform eines Vereines. Oftmals plagen diese jedoch Sorgen: schwer zu besetzende Vorstandsfunktionen, und  immer weniger junge Menschen, die bei den Vereinsaktivitäten mitmachen wollen.  

Warum engagieren sich immer weniger Jugendliche in Vereinen?  

Einerseits gibt es viel weniger Jugendlichen, die demografische Entwicklung wirkt hier stark hinein. Und es haben sich die Motivationslagen von jungen Menschen verändert. Früher waren Menschen grundsätzlich stärker intrinsisch motiviert: in der Reinform heißt dies, dass die „Sache“ als wichtig eingestuft wird und deshalb viel Engagement aufgebracht wird. Das „mitgestalten und mitentwickeln“ motiviert, es gibt eine hohe Identifikation mit dem Inhalt. Auch heute gibt es viele Jugendliche, die eine hohe intrinsische Motivation haben, diese sind, laut Institut für Jugendkulturforschung eher bildungsnah und weiblich. Jedoch: eine generelle Tendenz unter Jugendlichen als „Kinder der Wachstumsgesellschaft“ ist eine hohe Nutzen und Output-Orientierung. Diese schafft eher Akzente in Richtung extrinsischer Motivation: die Jugendlichen überlegen sich genau, wo sie sich engagieren, es muss „etwas bringen“, zum Beispiel eine Erfahrung die später am Arbeitsmarkt verwertbar sind. 

Die Grundhaltung der VerantwortungsträgerInnen ist entscheidend!  

Es hilft, im Fokus zu haben: „Wie können wir die Jugendlichen sowohl in die Entscheidung, also auch in die Umsetzung stärker miteinbeziehen?“ Das heißt aber auch, dass dies von den Vorständen auch gewollt ist und diese zur Veränderung bereit sind. Die Jugendlichen brauchen Erwachsene, die sie anleiten und unterstützen, damit ihre Kreativität zur Geltung kommt. Der sachliche Veränderungsspielraum muss sichtbar werden. Das Gefälle von Macht und Wissen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen darf nicht manipulativ missbraucht werden. Bevormundung schafft Mutlosigkeit, Initiativlosigkeit oder Trotz. Jugendliche haben ein anderes Verhältnis zum Thema „Zeit“ – sie wollen innerhalb kurzer Zeit Ergebnisse sehen. Je jünger, desto kürzer der Abstand von der Planung zur Umsetzung. Es darf nie schon im Voraus das Ergebnis festgelegt werden.  

 

Zehn Aussagen um Jugendliche, die sich freiwillig engagieren wollen, loszuwerden 

1. Was willst du denn hier? 

Eine offene und wertschätzende Organisationskultur ist eine Grundvoraussetzung für die Nachwuchsarbeit. Gerade in gewachsenen Strukturen haben es Neulinge vielleicht schwerer, Fuß zu fassen. Insbesondere junge Menschen brauchen einen Menschen vor Ort, der ihnen Beziehung bietet. Zudem müssen sich die Vorstände klar machen, dass jedeR Neue wertvolle Impulse für die Arbeit im Verein einbringen kann und ihn/sie entsprechend willkommen heißen. 

2. Bist du denn auch Mitglied? 

Jugendliche wollen sich punktuell engagieren und nicht ein Leben lang binden. Die Bindung an einen Verein bzw. einen Verband ist für viele Jugendliche mit einer Hemmschwelle verbunden. Auch ein Mitgliedsbeitrag kann das Engagement erschweren. Deshalb sollte erstes Engagement nicht direkt mit der Forderung nach einer langfristigen Verpflichtung verbunden sein, es sei denn, dies wird gewünscht. Dafür müssen Möglichkeiten geschaffen werden, die Engagierten helfen die Organisation kennenlernen zu können, bevor sie sich für eine Mitgliedschaft entscheiden. 

3. Eigentlich sind alle Aufgaben schon vergeben! 

Wenn Jugendliche schon den ersten Schritt gemacht haben, dann sind sie voller Einsatzbereitschaft, die sie sogleich in die Tat umsetzen wollen. EinE AnsprechpartnerIn vor Ort sollte wissen, welche Aufgaben bestehen und welche von Engagierten übernommen werden können.  

4. Wenn, dann aber richtig! 

Insbesondere junge Menschen möchten sich zeitlich flexibel in der Vereinsarbeit engagieren. Dies erfordert zugleich mehr Flexibilität vom Verein und den AkteurInnen vor Ort. Man muss zulassen können, dass sich einige nur zeitlich befristet oder in bestimmten Projekten engagieren können oder wollen, nicht aber jederzeit abrufbar zur Verfügung stehen für Aufgaben, für die sich sonst keiner findet.  

5. Du musst dich mehr an der Vereinsarbeit beteiligen! 

Die Arbeit im Verein geht oft mit festgefügten Ritualen einher, wie etwa regelmäßigen Gremiensitzungen. Jugendliche haben wenig Interesse an Sitzungen, für sie steht die Arbeit an Sachthemen im Vordergrund. Die Teilnahme an der Gremienarbeit sollte nicht obligatorisch sein. Das Engagement selbst sollte Wertschätzung erfahren und Freiwillige bei Interesse Schritt für Schritt an den Verein mit seinen Strukturen, Routinen und Ritualen herangeführt werden. 

6. Das haben wir schon immer so gemacht! 

Junge Mitglieder und neue Engagierte bringen auch neue Ideen. Dieser frische Blick auf den Verein sollte als Bereicherung und nicht als Bedrohung empfunden werden. Dies fällt manchmal schwer. Doch: „schon immer“ bedeutet nicht „besser“. Vereine können sich nur dann weiterentwickeln und bleiben nah an den Bedürfnissen und Wünschen ihrer Mitglieder, wenn jeder dazu bereit ist, seine eigene Arbeit in Frage zu stellen und immer wieder einmal zu überprüfen. 

7. Da muss man sich erst hocharbeiten! 

Flache Hierarchien sind notwendig für neue Engagementformen. So kann man Jugendlichen eigene Gestaltungsmöglichkeiten geben. Engagierte wollen nicht als Lehrlinge oder Lückenbüßer für unliebsame Aufgaben zuständig sein. Es ist ihnen wichtig, aktiv die Arbeit mitzugestalten. Der Erfahrungsaustausch und die Wissensvermittlung müssen dabei im Vordergrund stehen.  

8. Dafür sind wir nicht zuständig! 

Freiwillige brauchen Unterstützung und Bestätigung, damit sie ihre Arbeit weiter verfolgen können. Wenn sie keine/n AnsprechpartnerIn haben und über die Vereinsstrukturen nicht genügend informiert werden, dann wenden sie sich mit ihren Anliegen auch an Personen innerhalb des Vereines, die nicht direkt in deren Aufgabenbereich fallen. Diese Anfragen dürfen nicht abgeblockt werden. Schwerpunkt des Freiwilligenmanagements ist es, die Anliegen der Jugendlichen zu eigenen Anliegen zu machen. 

9. Die Unkosten können aber nicht erstattet werden! 

Engagierte stellen Vereinen ihre Einsatzkraft unentgeltlich zur Verfügung. Zugunsten der ehrenamtlichen Tätigkeit verzichten sie auf Freizeitaktivitäten oder auf Zeit mit Peer Group oder Familie. Wenn sie – neben ihrem Mitgliedsbeitrag – auch noch einen finanziellen Beitrag leisten müssen, um ihre freiwillige Arbeit durchzuführen, fühlen sie sich schnell ausgenutzt. Deshalb ist es wichtig, dass ihre Auslagen erstattet werden.  

10. Das entspricht nicht der Vereinslinie! 

Gerade Jugendliche, die über Sachthemen zum Verein gefunden haben, können dem in der Organisation vorherrschenden Konsens über andere Punkte kritisch gegenüber stehen. Umso wichtiger ist es, die eigenen Positionen zwar deutlich zu machen, aber auch in einen offenen Diskurs mit den Jugendlichen zu treten. Die Pluralität der Meinungen ist genau das, was Vereine zu lebendigen Organisationen werden lässt. 

 

Diskurs-Blog in eigener Sache: aha plus – das neue Anerkennungssystem für engagierte Jugendliche in Vorarlberg wird am 10. Oktober 2018 in Götzis vorgestellt – alle Infos finden sich im Veranstaltungskalender. 

 

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